M'ERA LUNA 2006 15.08.2006, Frontberichte

M'ERA LUNA 2006

Frontbericht

Eine Woche nach dem Familientreffen hieß es nun Verlegung des Feldlagers auf die Rollbahn des Flugfelds Hildesheim-Drispenstedt. Ankunft war pünktlich am Freitag um 1500. Da schon der Großteil der diesjährigen Teilnehmer vor Ort war, konnte man, nach kurzem Aufenthalt an der Ausgabe der Erkennungsmarken, mit dem Aufbau des Lagers beginnen.
Ca. um 1800 war dann sämtliches Material in den Zelten verstaut und man konnte sich den ersten Alkoholika hingeben. Bei der Erstbeschau der vorbeigehenden Menschen zeigte sich auch einmal wieder, dass Xtra-X wieder einmal ein gutes Geschäftsjahr haben musste. Das manch Vorbeilaufender über ein verdammt großen Selbstbewusstsein verfügen muss, allerdings über keine Spur von ästhetischem Grundempfinden zeigte sich auch einmal wieder. Der Slogan "Faszination Ekel" sollte sich noch öfters bei diesem Festival beweisen.
Neben so manch optischer Beleidigung gesellte sich dann auch noch die akustische. Wegsehen ist ja vergleichsweise einfach, weghören wird da schon schwieriger - besonders wenn man von mehreren Seiten zugeschallt wird.
Was bewegt zusammengepferchte Menschen eigentlich dazu Andere mit ihren musikalischen Vorlieben zu foltern? Ich möchte im normalen Leben schon nicht am Trauma der Deutschen-Alternativ-Charts teilnehmen, warum muss ich es dann also unter so widrigen Umständen erleiden? Ob nun Blutengel, Oomph!, Apoptygma Berzerk alle wollen gleichzeitig in mein Ohr! Als besondere Frechheit erwies sich dann der Druck auf die Forward-Taste des Leierkastens, just in dem Moment als Frau Arafna, meinen Gedanken wortgewaltig Ausdruck zu geben. Das so abrupt beendete Stück wurde zugunsten, wie kann es auch anders sein, durch VNV Nation ersetzt. Zum Glück gelang es mir noch rechtzeitig mich in eine Scheiß-egal-Stimmung zu versetzen. Kurzer Anruf bei den Schweden..., aha man ist auf dem Wege nach Deutschland, aber leider noch in Schweden. Naja, werden schon ankommen, die Jungs.
In der Zwischenzeit wurde dann unser kleiner Stoßtrupp durch die Berliner Nachhut vergrößert. Okay, der Kampf Leber gegen gesunden Menschenverstand konnte weitergehen und war recht schnell entschieden, was auch die 5 Atü-Kesseldruck im Unterleib zeigten.
Der Besuch auf einem der berüchtigten Dixis ist ja eigentlich bei jedem Festival ein Erlebnis für sich. Nein, Kinder wollen auf diesen "stillen" Örtchens nicht gezeugt werden. Darum schnell erleichtert und gemeinschaftlich zum ersten Highlight des diesjährigen M'era Luna vorrücken. 2200 sollte Jörn Karstedt in dem zur Disko umfunktionierten Hangar auftreten. Als DJ hatte er schon mehrfach bewiesen, dass er dazu in der Lage ist, das Beste aus EBM und Electro in den CD-Wechsler zu legen, was man auch schon von weitem vernahm. Leider erwiesen sich die ca. 1000 Menschen vor einem als unüberbrückbares Hindernis, welches erst nach einer Stunde genommen werden konnte. So wurde kurzerhand beschlossen, einen strategischen Rückzug anzutreten um am nächsten Abend erneut sein Glück zu versuchen.
Mittlerweile kam auch der Schweden-Sturm in Form von Stefan N. und Pontus S. von Spetsnaz über das Festivalgelände und bezog Quartier am freigehaltenen Platz. Nach 1000 km Gewaltmarsch von Örebro nach Hildesheim, beließ man es auch an dem Abend bei einer etwas ruhigeren Nacht.

Der Samstag Morgen lockte dann mit leidlich gutem Wetter und von der Ferne hörte man auch schon die ersten Bands des Tages. Nach einem ordentlischen Frühstück entschloss man sich dann, das Festivalgelände erstmalig aufzusuchen.
Auf dem Weg dorthin entdeckte man altbekannte Gesichter und es wurde sich eifrig auf das abendliche Konzert von NITZER EBB eingeschworen.
Der obligatorische Merchandising-Markt auf dem M'era Luna wurde schnell besichtigt. Wie immer gab es ordentlich Gedränge, obwohl der gleiche Tand wie in jedem Jahr feil geboten wurde. Mehr lässt sich über das Kaufschauspiel eigentlich nicht berichten.
Interessanter waren da schon die Met- und Bierstände an denen man auch eifrig Schutz und Geborgenheit suchte. Die Zeit bis zum ersten Höhepunkt des Abends verlief dann weniger spektakulär. Trinken, erzählen und immer wieder der Slogan "Faszination Ekel"!
1550 wurde man unfreiwillig Zeuge von FUNKER VOGT. Nein, die Jungs machen KEINEN EBM!!!!
Danach DIE KRUPPS, die eine gute solide Show ablieferten - leider ohne Machinery of Joy oder die guten alten Lieder ihrer ersten CD "Volle Kraft vorraus".
Um 1930 traten dann die Kanadier von Frontline Assembly auf und schlonzten ein mäßiges Konzert runter. Keine Ahnung was Frontmann Bill Leeb hatte, aber mitreißend nenne ich andere Dinge. Auch sein Bekenntnis, dass er der originale Sänger sei, ließen die innere Begeisterung nicht entflammen. Die danach auftretende Musikcombo Blutengel und deren peinliche Bühnenshow ließen einendann aber leichter das teure Bier bezahlen.
Dann hieß es Kampfbereitschaft herstellen für NITZER EBB... Die kampferprobte EBM-Garde sammelte sich auch rasch im Kessel und es folgten 60 Minuten Prügelei. Wer beim WGT das NEP-Konzert erleben durfte, musste danach feststellen, dass das M'era Luna-Konzert mitreißender und besser war! Nach den Konzerten ging es dann ab zur Disko. Diesmal ging es dann auch schneller und man kam genau rechtzeitig. "Der neue Gott" schallte durch den Raum und man hoffte, dass es musikalisch so bliebe. Tja, denkste! Das Unheil nahte sich in Form von Ronan Harris! Sein erstes Lied war "Apathy" von Spetsnaz, welches für mich zur Grundstimmung der restlichen Diskonacht werden sollte. Als zweites folgte ein Mix aus verschiedenen Nitzer Ebb-Liedern und man staunt doch immer wieder wie man gute Musik so versauen kann.
Der wahre Horror kam danach. Ich wusste ja schon aus Berichten vom Abend zuvor, das größtenteils Techno kam (außer bei Jörn Karstedt), aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt. bei Ronan Harris bekam sie nun ihren Gnadenstoß!
Ich mache diesem kleinen Dirk Bach der "schwarzen Szene" an dieser Stelle noch nicht einmal den größten Vorwurf. Er spielt seinen Techno-Kram runter und Tausende tanzen dazu. Ich meine, die Leuten sehen teilweise aus, als ob sie frisch vom Friedhof kommen und tanzen zu Musik, die auch auf der Loveparade kommen könnte!
Die Vielfallt, die diese Szene einst ausgemacht hat, wird an solchen Abend regelmäßig von all den Wochenendgrufties, -EBMern und -Electroheads zu Grabe getragen. Also ab zurück zum Zeltlager.

Am nächsten Morgen gab's erst einmal eine freudige Überraschung. Jemand hat neben das Zelt von Spetsnaz gekackt! Anvisiert am Sonntag waren ansonsten nur noch zwei Konzerte - SPETSNAZ und MINISTRY. Die Zeit bis zu Ersteren verlief wenig spektakulär, umso freudiger war dann der Beginn. Die Hangarhalle war brechend voll und SPETSNAZ zogen von der ersten bis zur letzten Minute ein perfektes Konzert durch. Die Menge tobte und es war im Kessel mehr los als beim NEP-Konzert einen Tag zuvor. Unseren Abschluss des M'era Luna-Festivals bildete MINISTRY, die ihren Ruf als "lauteste Band der Welt" alle Ehren machten.

Resümee des Festivals: Am schönsten ist es doch beim Familientreffen!

Fotos von Milli - Danke!!!
Author: TGold