JÄGER 90 - Muskeln & Küsse 12.08.2008, Tremor-Label

JÄGER 90 - Muskeln & Küsse

Pressetext

Nach all den Jahren, in denen die EBM-Szene für tot erklärt wurde, kann man nun wieder das Erwachen der Electronic Body Music miterleben. Neben den alten Helden von NITZER EBB, SIGNAL AOUT 42, ORANGE SECTOR oder TYSKE LUDDER, gibt es auch viele junge Bands,die nicht weniger erfolgreich ihren eigenen EBM-Stil entwickeln und immer erfolgreicher ihrem Publikum präsentieren.
Eine dieser jungen Bands ist JÄGER 90 aus Rostock, die sich, obwohl sie erst jetzt ihr erstes Album „Muskeln & Küsse“ veröffentlichen, vor allem im Osten der Republik immenser Beliebtheit erfreuen. Ihr Rezept? Minimalismus, Nonkonformität, Energie.
Die Wurzeln des Duos liegen in den Achtzigern. Thoralf D. und Stev A. wuchsen mit der Musik von NITZER EBB und vor allem DAF auf: „Diese Strukturen sind mir nie mehr aus dem Kopf gegangen“,denkt der Sänger, Texter und Hauptmusiker zurück. Später betrieb er ein kleines Spaßprojekt, womit er hauptsächlich auf Privatpartys spielte: „Wir hatten damals schon den minimalen Sound, die Texte improvisierten wir allerdings erst auf der Bühne.
2005 entstand das Konzept für JÄGER 90. „Wir machten einen Sampler für Freunde mit Seemannsliedern aber auch mit selbst produziertem Material.“
Beim Elektroanschlag 2005, einem der größten Festivals für elektronische Musik, spielte Thoralf D. mit seinem alten Projekt SLIDES, und hatte im letzten Drittel des Sets Songs von JÄGER 90 eingebaut, was unwahrscheinlich gut ankam. Selbst namhafte Industrial-Typen tobten sich dazu aus.
Nach diesem Konzert trat ELECTRIC TREMOR DESSAU mit dem Angebot für einen Auftritt an JÄGER 90 heran, woraufhin Thoralf D. mit Kumpel und Drummer Stev A. dann ein richtiges Livekonzept ausarbeitete. 2005 erfolgte dann der erste Live-Auftritt im Dessauer BeatClub als Support der schwedischen Band VOLT (heute MENTICIDE).
Ein paar Demos hatte man schon länger im Kasten und via Eigenproduktionen mit großem Anklang unter das Volk gemischt. Die Arbeiten am ersten richtigen Langspieler begannen im April 2007.
Jäger 90 - Muskeln & Küsse
Mit der Katalognummer ETD CD 001 ist „Muskeln & Küsse“ schließlich die erste Veröffentlichung auf dem neu gegründeten Label Electric Tremor Dessau, einer wichtigen Trademark innerhalb der EBM-Szene.
Thoralf D.: „Die Gründung des Labels war ein notwendiger Schritt, um für die Bands und die Leute ein Zuhause zu finden. Es ist heutzutage spielend einfach, Musik zu machen, es wird aber immer schwerer, einen Vertrag zu bekommen. Die kleinen Labels verschwinden nach und nach oder werden geschluckt. Von dieser Musik als Label wirklich leben zu können, ist auch eine Illusion. Deshalb ist es gut, dass es Leute gibt, die das aus Überzeugung [kein Komma!] für die Szene machen.“
Der Erfolg im entsprechenden Maßstab scheint sicher, wenn man allein die unglaublichen Reaktionen bei ihren Konzerten in die Prognosen einbezieht.
Thoralf D.: „Es ist für mich selbst ein Phänomen, dass die Leute dazu so dermaßen abgehen, gerade weil diese Musik so speziell ist. So etwas hatte ich vorher auch noch nie erlebt. Die wollen halt genau diese Sounds, was unser Denken und Tun sehr begünstigt. Dennoch machen wir, was wir für richtig halten. Sollten dann eventuelle Erwartungen nicht erfüllt werden, haben wir halt Pech.“
Auch wenn die musikalischen Ähnlichkeiten mit den Pionieren DAF bei jedem Lied omnipräsent sind, möchte JÄGER 90 eines betonen: Thoralf D.: „Unsere Sounds werden alle live gespielt. Wir benutzen keinen Computer, keinen Arpeggiator, sondern analoge Sequenzer, wo die Bassläufe mit der Hand eingespielt werden. Erst beim Mastering kam dann ein PC zum Einsatz, was allerdings ein Profi für uns übernommen hatte, Guido von E-CRAFT.
Das schlimmste war mal, als ein Typ zu mir sagte, unsere Sounds wären direkt bei DAF abgesampelt worden. Der Vergleich an sich stört uns hingegen überhaupt nicht. Warum soll man dieses Kulturgut in Vergessenheit geraten lassen? Es macht uns selbst auch riesigen Spaß, zu dieser Musik zu tanzen. Das ist unser Stil. Stiefel, Bomberjacke, die Haarschnitte, verrückt sein, Party machen. Es ist gut, dass EBM sich wieder gefestigt hat.“
Beim Texten tut Thoralf sich etwas schwer. Für ihn wird es immer schwieriger, Themen zu finden. Gut, dass er sich pro Song auf wenige Parolen beschränken kann. Aktuell ist es einfach nur das Thema Muskeln, ein ganz wichtiges Element in der EBM-Szene:
Thoralf D.: „Hier sind ja die meisten Leute sehr muskulös und zeigen das auch. Wir selbst sind hingegen eher unsportlich und trinken lieber einen. Auf der nächsten Platte werden wir uns einem ganz anderen Thema widmen. Die Stimme und die Worte sind ein Instrument. Wir möchten nicht provozieren, nichts bewegen, sondern Spaß machen und die Leute aus dem Alltag herausholen, eine Möglichkeit geben, einfach mal zu minimalen Sounds bekloppt zu sein.“ Warum so viele Leute wieder empfänglich für Oldschool-EBM sind, erklärt Thoralf D. so: „Jeder kann heute mit geringem finanziellen Aufwand elektronische Musik machen. Es fehlt die Authentizität. Es ist Wahnsinn, wie viele neue Bands aus dem Boden geschossen kommen. Eigentlich gut, doch ich denke, dass viele mittlerweile auch satt sind von den supergeilen neuen Sounds und gerne auch mal wieder zu den alten Sachen greifen,
die vielleicht etwas primitiver gemacht, deshalb jedoch unfassbarer und wärmer sind.“
Neben seiner Position als Frontmann von JÄGER 90 kann man Thoralf D. auch als Sänger von DAF.PARTEI erleben, einem Projekt von Robert Görl (DAF). Bei den Konzerten werden die alten Hits von DAF gesungen und mit den originalen DAF-Backtracks aus den 80igern unterlegt.

www.jaeger90.com



Author: TGold