STURM CAFÉ 22.05.2009, Interviews

STURM CAFÉ

Abschied von der Stiefelfabrik

In Zeiten der gefühlten Wirtschaftskrise, erwischt es nun auch die schwedische Stiefelfabrik STURM CAFÉ. Am 22. Februar 2009 geben Jonatan Löfstedt und Gustav Jansson das Ende von STURM CAFÉ bekannt und hinterließen, neben Ihrem musikalischem Erbe und Ihren Fans, viele Fragen über das Warum und Wieso. Wenigstens ein paar dieser Fragen versuchen nun STURM CAFÉ in einem kleinen Interview zu beantworten.

ET: Nach immerhin sechs Jahren trennen sich Sturm Café noch während ihrer Arbeiten am neuen Album. Ihr habt ein kurzes Statement auf MySpace und per E-Mail abgegeben und mitgeteilt, dass „beide die Band ohne böses Blut verlassen“.
Sorry, aber das klingt eher nach Kindergeburtstag als nach einem wahren Grund. Oder?


SC: Sturm Café haben im Jahr 2001 damit begonnen, Songs aufzunehmen und bei mp3.com hochzuladen, was nun über acht Jahre her ist. Unsere Beziehung zu Kindergeburtstagen ist Ronald McDonald und Feiern bei McDonalds in unserer Kindheit in Gävle mit kostenlosen Hamburgern und einer Menge Luftballons…
Das war eine tolle Erfahrung, doch die Bandauflösung war nichts davon. Wir haben gespürt, dass wir nicht so viel Zeit hatten, wie für das Projekt notwendig war. Wir wollten etwas anderes tun. Wir hatten andere Ziele im Leben als Sturm Café. Es war eine sehr schwierige Entscheidung, besonders da wir einige Auftritte absagen mussten, auf die wir uns schon sehr gefreut hatten.
Jetzt versuchen wir die Auflösung etwas weniger dramatisch und nüchterner zu sehen und wir denken, dass ein letzter Auftritt beim Familientreffen zu 100 Prozent richtig ist und wir so all den Leuten, die uns jahrelang unterstützt haben, etwas zurückgeben können.

ET: Verständlich… Aber warum habt ihr nicht erst das Album fertig gestellt und euch dann getrennt?

SC: Nun, das war Teil des Problems. Wir hatten nie genug Zeit das Album fertig zu stellen, da wir tagsüber viel arbeiten mussten und auch andere Dinge zu tun hatten. Wir fühlten uns, als liefen und liefen wir und erreichten doch nie unser Ziel. Das war das Aus für die Kreativität.

ET: Was sind diese „anderen Ziele“ in eurem Leben?

SC: Wir wollen weiter machen, eine richtige Ausbildung und eine gute Arbeit bekommen und natürlich zukünftig neue Musik in anderer Form für die Leute da draußen machen. Dennoch sind wir sehr stolz auf das, was wir mit Sturm Café hinterlassen.

ET: Wie hat Torny, der Chef vom Sturm-Café-Label Progress Productions reagiert?

SC:
Er war natürlich sehr traurig, aber er hat die Entscheidung respektiert und wir sind immer noch befreundet.

ET: Was ist mit den bereits fertig gestellten Tracks für das geplante Album?

SC: Progress wird im Sommer vielleicht eine 7" Vinyl-Single mit zwei Songs veröffentlichen. Wahrscheinlich werden wir viele der anderen Lieder kostenlos im Internet anbieten.

ET: Eure Fans werden zwei letzte Auftritte von Sturm Café zu sehen bekommen – einen in Schweden und einen in Deutschland. Welche Erinnerungen (gute und/oder schlechte) verbinden Sturm Café mit beiden Ländern?

SC: Wir haben nur gute Erinnerungen an Deutschland und Schweden, wir hatten Glück! Eine gute Erinnerung stammt vom Familientreffen III, als die schwedischen Bands zusammen in einer großen Sporthalle schliefen und es unzählige Biere gab. Die beste Erinnerung an Schweden ist, als wir 2004 beim Arvikafestival 2004 auftraten, was so etwas wie ein großer Traum für eine Synth/EBM-Band ist und die Tatsache, dass wir 16.00 Uhr am Nachmittag für eine völlig überfüllte Bühne spielten. Das schwedische und das deutsche Publikum sind immer großartig! Es fühlt sich zu 100 Prozent richtig an, einen Abschiedsauftritt in beiden Ländern zu veranstalten.

ET: Was waren Eure „besonderen persönlichen Momente“ mit Sturm Café?

SC: Bei unserem ersten Besuch im Jahr 2004 verbrachten wir zwischen unseren Auftritten eine Woche in Dessau und lebten in einem kleinen Hotel eines netten älteren Ehepaars und besuchten eine Veranstaltung mit mexikanischem Wrestling und einem Rockabilly-Konzert im Beatclub, total abgefahren!

ET: Gustav Jansson ist auch Mastermind der EBM-Band Kommando XY. Hat Jonatan Löfstedt derzeit auch Pläne für ein eigenes Projekt?

SC: Jonatan will Rockstar werden. Er möchte Gitarre spielen, mit tiefer Stimme singen und alle Mädels bekommen, die er will.

ET: Was sollte eine Band ihren Fans mitteilen, wenn sie sich auflöst?


SC: Man sollte es den Fans mitteilen und sagen, dass es einem Leid tut. Dann sollte man versuchen, etwas Besonderes zu geben, bevor man ganz aufhört, wie ein letztes Konzert, ein frei verfügbares Lied oder etwas anderes.



Das komplette Interview mit STURM CAFÉ in Englisch:

ET: After at least six years as a band, Sturm Café splits up during their work on the new record. You gave a short statement on MySpace and by e-mail and told us, that "both leave the band without bad blood".
Sorry, but that sounds more like a children’s birthday party than a real reason. Right?


SC
: Sturm Café started recording and uploading songs at mp3.com in 2001, which was now over 8 years ago. Our relation to children’s birthday parties is Ronald McDonald and renting McDonalds for parties in our childhood in Gävle with free hamburgers and a lot of helium balloons ...
That was a great experience, but splitting the band was not any of that. We felt that we could not give the time that was needed for the project, we wanted to do something else, we had other goals in life than Sturm Café. It was a very hard decision to make, especially since we had to cancel some gigs that we had really looking forward too.
Now we try to see the split a little less dramatic and sober so a last gig on familientreffen feels like the 100% right thing to do and will give something back to all the people that have supported us during the years.

ET: We understand... But why didn't you finish the record and split after that?

SC: Well that was the part of the problem. We never had enough time to finish the record due to a lot of daytime-working and other stuff. We felt like we were walking and walking and never reaching the goal. It really killed the creativity.

ET: What are the "other goals" in your life?


SC: We want to move on, get a proper education and a good job and of course making new music for the masses in another shape in the future. However, we are very proud of the Sturm Café stuff we leave behind.

ET: What was the reaction from Torny, the chief of the Sturm Café label Progress Productions?

SC: He became sad of course, but he respected the decision and we are still friends.

ET: What's about the tracks you finished for planned record?


SC: Maybe Progress will release a 7" vinyl single with two of the songs in summer. We will probably give away many of the other songs for free on the internet.

ET: Your fans will get two final gigs of Sturm Café – one in Sweden and one in Germany. Which memories (good and/or bad) connect Sturm Cafe with both countries?

SC: We have only good memories from Germany and Sweden, we have been lucky! One good memory was at Familientreffen III with all the Swedish bands sleeping in a big sport hall with unlimited numbers of beer. From Sweden is the best memory when we played at Arvikafestival 2004 which was kind of a dream for a Swedish synth/EBM band, and the fact that we played 16.00 in the afternoon for a totally overcrowded stage. Swedish and German audiences are always great! It feels 100% right to make a farewell gig in each country.

ET: What was your "personal special moments" with STURM CAFÉ?

SC: Our first visit in 2004 when we spent a week in Dessau between our gigs and lived in a small hotel owned by a nice old couple and then visit a combined Mexican wrestling and rockabilly concert (!!!) in Beatclub, very crazy!

ET: Gustav Jansson is also mastermind of the EBM band Kommando XY. Has Jonatan Löfstedt also some current plans about an own project?

SC: Jonatan has plans to be a rock star. He wants to play the guitar, sing with a deep voice and get all the girls he wants.

ET: What should a band tell its fans when it splits?

SC: One should tell the fact and that they are sorry. Then try to give something special before leaving, like a last concert or a free song or anything.

Author: TG, Translation: Lommi